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Grübeleien über das Äpfelpreiskartell und die Marktabgrenzung

Beat Zirlick et al. haben sich gefragt, ob denn Äpfel mit Birnen vergleichbar seien. In einem Aufsatz zur Marktabgrenzung sind sie dieser Frage am Beispiel eines Äpfelkartells nachgegangen und haben Folgendes herausgefunden: „Wenn es ein Preiskartell bezüglich Äpfel gibt, so ist zunächst die Marktgegenseite zu bestimmen. Dies sind die Apfelkäufer als die von der Wettbewerbsbeschränkung betroffene Marktgegenseite, und nur die Apfelkäufer. Einzig aus ihrer tatsächlichen und subjektiven Sicht stellt sich die Frage, ob Birnen Substitute sind.

Soweit so gut. Ich frage mich bloss, ob es nach dem Gaba-Entscheid des Bundesgerichts, wonach Preiskartelle und andere, von Art. 5 Abs. 3 und 4 KG erfasste Abreden grundsätzlich erhebliche Wettbewerbsbeeinträchtigungen verursachen, überhaupt noch nötig ist, bei Vorliegen der erwähnten Abredeformen eine Marktabgrenzung vorzunehmen. Marktabgrenzungen werden ja regelmässig – aber überflüssiger- und oft irreführenderweise – gemacht, um das Feld abzustecken, worin der Wettbewerb spielt. Steht indes von vorneherein fest, dass eine bestimmte Abrede den Wettbewerb jedenfalls erheblich beeinträchtigt, dann erübrigt sich die Marktabgrenzung doch? Weiterlesen

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Swiss Competition Commission adapts the Communication on Vertical Restraints

After the Federal Supreme Court’s landmark decision in the Gaba (Elmex) case, the Swiss Competition Commission (COMCO) has made adjustments to the communication on the treatment of vertical agreements. Additionally, COMCO has for the first time published explanatory notes to assist with the interpretation of the communication on vertical restraints.

Background

The trigger for adapting the Communication was the publication of the Federal Supreme Court’s Gaba (Elmex) judgement at the end of April 2017.
In the surprisingly strict decision the Federal Supreme Court had stated, that both hard-core horizontal agreements (price, quantity and territorial agreements) and hard-core vertical agreements (resale price maintenance and absolute territorial protection) have to be regarded as per se significant. It is enough for such agreements to have the potential to affect competition; COMCO is no longer required to demonstrate evidence of significant and real effects or to show that the agreement has been effectively put into practice.
This new practice applies regardless of quantitative criteria, such as market shares of the companies involved. A company involved in such an agreement can then only escape a sanction if it manages to justify its behaviour on grounds of economic efficiency (which is very difficult according to COMCO’s past practice).

Adaptations made by COMCO

The adaptations to the communication affect individual points only, and their primary purpose is to bring the communication in line with the interventionistic Gaba decision.
However, the communication on vertical restraints makes clear, that in non-hardcore cases that are not caught by one of the presumptions, it is not just the qualitative criteria that have to be assessed but the quantitative ones as well. Therefore, in non-hard-core cases, the authority has to prove significant effects on the relevant market.
Furthermore, the most important characteristics of vertical price agreements and vertical agreements on absolute territorial protection are summed up in the explanatory notes. In addition, the explanatory notes include a summary of the rules governing online commerce
The explanatory notes do also state that the EU’s Guidelines on Vertical Restraints apply in an analogous way to Swiss law.

Comment

Although the adaptions made by the COMCO affect individual points only, the newly adopted explanatory notes, which summarize the practice of recent years, are likely to be of considerable importance for companies and competition lawyers in the future.
However, several open questions remain unanswered. For example, the EU Guidelines on Vertical Restraints contain numerous references to franchise systems, whereas the explanatory notes on vertical restraints do not mention this type of vertical agreement at all.
Also, no answer has been provided to the question as to whether in the case of so-called „hard-core agreements“ Swiss law would allow for the existence of a safe harbour in the sense of a de minimis rule.
Unfortunately, the Federal Supreme Court has held that the rules contained in the EU Technology Transfer Block Exemption Regulation are not relevant for the treatment of such agreements under Swiss competition law. So, as far as Swiss law is concerned, doubt still persists as to the extent companies should be guided by EU practice. Nevertheless, the statement in the new explanatory notes that the EU’s Guidelines on Vertical Restraints apply analogously is to be welcomed.
 
This blog post was first published on Thomson Reuters‘ Practical Law website. It is reproduced from Practical Law with the permission of the publishers. For further information visit http://www.practicallaw.com or call +44 (0)20 7542 6664.

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Gaba, das Bestimmtheitsgebot (nulla poena sine lege certa) und false positives

Die staatliche Reaktion auf Handlungen muss voraussehbar sein, andernfalls wäre der Bürger der Willkür des Staates ausgesetzt.

Eine Strafe darf deshalb nur dann ausgesprochen werden, wenn der Betroffene die Rechtslage (Inhalt und Grenzen der Gebots- oder Verbotsnormen) zumindest hätte kennen können und so sein Verhalten hätte daran ausrichten können. Strafen sollen in diesem Sinne präventive Wirkung entfalten.

Im BGE vom 26. Juni 2016 betreffend Gaba und Gebro (Elmex) befand das Bundesgericht, dass diejenigen Abredetypen, welche in Art. 5 Abs. 3 und 4 KG aufgeführt sind, zu sanktionieren sind, sofern solche Abreden gemäss Art. 5 Abs. 1 KG unzulässig seien (E.9.4.6). Zudem erklärte das Bundesgericht, dass Abreden nach Art. 5 Abs. 3 und 4 KG grundsätzlich das Kriterium der Erheblichkeit nach Art. 5 Abs. 1 KG erfüllen. Dabei genüge es, dass Abreden den Wettbewerb potentiell beeinträchtigen können (E 5.6). Zudem stelle Art. 2 Abs. 2 KG klar, dass auch Auslandssachverhalte, welche sich in der Schweiz auswirken können, unter das KG fallen.

Damit hat das Bundesgericht in einem mit Mehrheitsentscheid (3 zu 2) gefällten Urteil gleich mehrere seit Jahren umstrittene Fragen geklärt:

  • Welche Abreden sind nach Art. 49 Abs. 1 KG sanktionierbar?
  • Wie ist der Begriff der Erheblichkeit zu verstehen?
  • Müssen Abreden, um unter das KG zu fallen, tatsächlich Auswirkungen in der Schweiz haben?

Trotzdem meinte das Bundesgericht, dass „Art. 49a Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Abs. 4 KG für eine Sanktionsauferlegung genügend bestimmt ist“ (E.9.6.1).

In der Tat?

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Zu viel Kohle für Kies? – Was macht eigentlich die Weko so lange?

 

Im Kanton Bern seien die Kiespreise zu hoch, die öffentliche Hand habe in den letzten Jahren bis zu 25 Millionen Franken zu viel für den Rohstoff ausgegeben. Dies behauptet die Berner Finanzkontrolle aufgrund einer vertraulichen Studie.
Quelle: Zu viel Kohle für Kies (Berner Zeitung online, 15. Juli 2017)

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KBOB verzichtet wegen Weko-Sekretariat auf Honorarempfehlungen

Die Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren (KBOB) publizierte seit den 80er-Jahren empfohlene maximale Stundenansätze für Architekten und Ingenieure. Gerade für kleinere Bauherren wie Gemeinden waren die Richtwerte ein wichtiges Instrument, weil ihnen oft die Erfahrung fehlt und sie deshalb nicht wissen, welche Ansätze angemessen sind. Weiterlesen

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Roaming-Regulierung: Ineffiziente Kosten- und Preisillusion sowie Rattenfängerei

„Druck auf Roaminggebühren nimmt zu –
UPC lanciert neues Angebot – in der EU sind die Zusatzkosten im Ausland abgeschafft“ (BaZ)

Unter diesem Titel schreibt Redaktor Patrick Griesser heute in der Basler Zeitung über ein neues UPC-Handy Abonnement, das (scheinbar) Gratis-Roaming in Europa beinhaltet, und über die kürzliche Abschaffung der Roaminggebühren im EU-Binnenmarkt (ohne Schweiz) durch regulatorischen Zwang. Beraten liess sich der Redaktor offenbar allein vom Preisvergleicher Ralf Beyeler (verivox.ch), den er mehrfach zitiert. Weiterlesen

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