Silvio Borner: „Duttweiler hat die Marken nicht mit staatlichen Regulierungen angegriffen, sondern mit Eigenmarken.“

Weko gegen Ausländer

Lesen Sie die Kolumne von Prof. Borner in der Weltwoche vom 17. April 2013.

In der Tat spricht vieles dafür, dass sich der Ständerat – hoffentlich ohne sich dessen bewusst zu sein – mit dem Vorschlag des neuen Art. 7a KG  zum Spielball der Interessen der Grossverteiler missbrauchen liess (um was es genau geht und wie es dazu gekommen ist, hat Daniel Emch hier dargelegt). Dass jetzt der Vorstoss nicht mehr den Namen von Nationalrätin Priska Birrer-Heimo/SP, sondern denjenigen von Ständerat Hans Hess/FDP [sic!] trägt, ändert nichts daran, dass er letztlich von Prof. Zäch und Migros initiiert wurde. Und dass eine Politikerin und ein Politiker völlig entgegengesetzter Lager für einen solchen Vorstoss beliebig ausgetauscht werden können, wirkt nicht gerade vertrauensbildend. Gerade weil die Wettbewerbspolitik eine komplexe Sache ist, sollten die Parlamentarier versuchen, sich selber ein Bild zu machen.

Natürlich wäre es für die Detailhändler einfacher, Markenartikel zum Preis im jeweils günstigsten OECD-Land zu beschaffen, um sie in der Schweiz mit einer möglichst hohen eigenen Marge abzusetzen. Sollte diese Strategie für die Händler aufgehen, kämen die Kunden zwar in den Genuss von Preissenkungen bei internationalen Markenartikeln – dies allerdings um den „Preis“ einer ständig kleiner werdenden Palette von noch günstigeren Händler-Eigenmarken.  Prof. Borner verdichtet diese Gefahr zu Recht auf das erwähnte Zitat. In der Tat lässt sich schon heute beobachten, dass Migros immer weiter von der früheren Eigenmarkenstrategie abrückt. Die Wettbewerbsintensität könnte zu Ungunsten der Endkunden und zum Gewinn der Grossverteiler weiter abnehmen.

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass diese Strategie der Händler nicht aufgehen wird. Selbst die WEKO ist gegen Art. 7a KG, weil sie davon ausgeht, dass sich solche Liefer- und Preiszwänge im Ausland gar nicht durchsetzen lassen. Die Markenartikelhersteller haben verschiedene Optionen, um diesem Zwang auszuweichen bzw. darauf zu reagieren. So könnten sie etwa ihre eigenen Werbe- und Verkaufsbemühungen in der Schweiz reduzieren oder einstellen, womit die Wettbewerbsintensität auf Dauer auch abnehmen würde.

Von Art. 7a KG ist wohl bestenfalls nichts und in allen anderen denkbaren Fällen eine kontraproduktive Wirkung zu erwarten. Im Hinblick auf die „Hochpreisinsel“ hat 7a den Charakter eines populistischen Placebos mit vermutlich dauerhaft schädlichen Nebenwirkungen. Eine bereits kurzfristige, äusserst schädliche Nebenwirkung entfaltet der Vorschlag von 7a schon jetzt, indem er die Diskussion davon ablenkt, dass mit dem Teilkartellverbot ein kapitaler Fehler bevorsteht. Man müsste die Nationalräte in ein Konklave schicken und zu einer eingehenden materiellen Diskussion zwingen, damit sie nicht die peinliche Übung des Ständerats nachvollziehen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter -

Wir freuen uns über Ihren Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s