Wintersport Super-Abo trotz ‚Elmex‘-Rechtsprechung?

lanze_kanone[1]Die Wintersportdestinationen der Alpen sind arg im Gegenwind. Die Winter mit Schneemangel scheinen sich systematisch zu häufen, die Kosten werden durch künstliche Beschneiung in die Höhe getrieben, die Attraktivität des Skifahrens und das Kundenpotenzial nehmen trotzdem kontinuierlich ab. Trotz prekärer Schneesituation besteht ein europaalpines Überangebot, in welchem sich als Folge von Währungsirritationen und weiterer exogener Probleme die Schweizer Destinationen immer weniger durchzusetzen vermögen.

In diesem garstigen kompetitiven Umfeld lancieren die grössten Berner Anbieter gemeinsam eine vermutlich sehr attraktive Preis-/Leistungs-Offensive.

Wintersport: Die Grössten lancieren ein gemeinsames „Super-Abo“, Thuner Tagblatt und weitere BZ-Medien, 19. Mai 2017.

Meines Erachtens ist es für die grossen Berner höchste Zeit – wenn nicht schon zu spät – , ihre Wettbewerbsfähigkeit durch eine solche Offensive zu verbessern. Die nicht beteiligten regionalen Konkurrenten werden dadurch in noch grössere Schwierigkeiten kommen. Die Berner Kartellisten werden sich aber nicht nur besser gegen diese, sondern auch gegen die Walliser, Innerschweizer, Bündner, Voralberger, Tiroler, Südtiroler, Aostataler, Savoyer und Bayern durchsetzen. Sie müssen es versuchen – das ist Wettbewerb. Eine klar prokompetitive horizontale Preisabrede.

Was werden die Behörden tun?

Es ist keine Frage, dass das „Super-Abo“ eine Wettbewerbsabrede im Sinne von Art. 5 Abs. 3 KG darstellt. Es ist auch klar, dass es nicht um eine Bagatelle geht – diese Abrede wird den Markt kräftig aufwirbeln. Ebenso ist wettbewerbsökonomisch offensichtlich, dass die Berner den Wettbewerb im europaalpinen Skizirkus mit dieser Abrede weder beseitigen noch erheblich beeinträchtigen können. Vielmehr werden sie damit den Wettbewerb erheblich ankurbeln. Zu Gunsten der Kunden im gesamten Alpenraum, zu Gunsten des Skisports (wovon indirekt auf Dauer vermutlich sogar die Konkurrenten profitieren werden, wenn sie selber die strategisch richtigen Antworten liefern) und zum Vorteil des Wirtschaftens im Alpenraum.

Gemäss Elmex-Urteil vom 28. Juni 2016 (2C_180/2014) dürfen aber Markt und Wettbewerb für die Wettbewerbsbehörden (sic!) gar keine Rolle mehr spielen (vgl. unsere jüngsten Blogbeiträge hier und hier). Diesem absurden Urteil zu Folge ist das Berner „Super-Abo“ vermutlich eine unzulässige Preisabrede gemäss Art. 5 Abs. 3 KG. Die Vermutung kann nicht mit unseren Hinweisen auf den unzweifelhaft weiterbestehenden, sich sogar intensivierenden Wettbewerb, sondern nur durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz umgestossen werden. Das „Super-Abo-Kartell“ muss nun also eine glaubhafte Effizienzverteidigung vorlegen.

Wie geht Effizienzverteidigung ohne Markt und Wettbewerb?

Für den Ökonomen mit Bildungsstand 1.0 ist aufgrund der aktuellen Markt- und Wettbewerbssituation klar, dass durch das „Super-Abo“ die umgesetzte Menge im Markt höchstwahrscheinlich zunehmen, aber keinesfalls abnehmen wird. Die allokative Effizienz wird höchstwahrscheinlich verbessert, keinesfalls verschlechtert, die Konsumenten werden höchstwahrscheinlich stark profitieren und keinesfalls schlechter gestellt.

Für den Wettbewerbsökonomen in der WEKO, welchen Bildungsstandes auch immer, spielt der Markt und der Wettbewerb aber keine Rolle. Ich nehme an, er darf nur prüfen, ob die Abrede die produktive Effizienz verbessert. Sinken durch das „Super-Abo“ die Kosten der Beteiligten? Sicher nicht, sie werden sogar steigen, wenn die Aktion von Erfolg gekrönt ist (grössere Menge). Die Durchschnittskosten der Beteiligten werden mit steigender Nachfrage fallen, doch im Gegenzug werden die Durchschnittskosten der Konkurrenten wegen sinkender Nachfrage ansteigen.

Mit produktiver Effizienz kann wohl die Effizienzverteidigung gar nicht geführt werden – mit allokativer Effizienz sehr wohl, doch dabei ist nicht ohne Blick auf Markt und Wettbewerb auszukommen.

Fazit:

„Elmex“ und das „Super-Abo“ werden die Behörden in Teufels Küche bringen, wenn sie versuchen konsistent zu sein. Da jeder sofort sieht, dass das „Super-Abo“ eine kompetitive Strategie ist, werden die Behörden wohl versuchen, dieser Küche zu entgehen, indem sie die Abrede gar nicht erst untersuchen wollen. Ich bin gespannt, was passieren wird.

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